Titel: Der Sohn des Greifen
Reihe: Das Lied von Eis und Feuer
Originaltitel: A Dance with Dragons (Original #5)
Autor: George R. R. Martin
Band: #9 (A Dance with Dragons wurde wieder in 2 deutsche Bände geteilt)
Seiten: 850
Verlag: Penhaligon
Format: broschiertes Taschenbuch
Preis: 16€
Erscheinungsdatum: 21. Mai 2012
Genre: High Fantasy
Bestellen: beim Verlag

Das Fantasy Epos geht weiter - Mit den liebgewonnen Charakteren, doch die Langatmigkeit bleibt...

Inhalt (kleine Spolier)
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Die Sieben Königreiche zerfallen weiter im Machtkampf der großen Adelshäuser, die einander eifersüchtig belauern in ihrer Gier nach dem Eisernen Thron. Einigkeit finden sie nur in ihrem Misstrauen gegen Daenerys Targaryen, der rechtmäßigen Erbin der Krone. Gemeinsam mit ihren drei Drachen und einer stetig wachsenden Armee greift sie vom Osten aus nach der Herrschaft über Westeros.
Die größte Gefahr droht derweil jedoch aus dem Norden, wo schreckliche Geschöpfe sich erheben, um die Menschen des Südens zu überrennen. Allein Kommandant Jon Schnee und seine wenigen tapferen Männer von der Nachtwache stemmen sich verzweifelt gegen diese finstere Übermacht …

(Klapptext von der Verlagswebsite)

Mein Eindruck
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An dieser Stelle hab ich den Klapptext der Verlagswebsite für die Inhaltszusammenfassung herangezogen. Das hat zwei Gründe, einmal ist es sehr schwierig etwas zum Inhalt des Buches zu schreiben ohne allzu viel zu verraten (schließlich ist es Band 9 der Reihe). Ich finde es ist dem Verlag gut gelungen, einen kleinen Vorgeschmack zu bieten ohne großartig zu spoilern. Der zweite Grund ist und gleichzeitig auch mein Hauptkritikpunkt am Buch, es würde mir sehr schwer fallen den Inhalt in eigenen Worten wiederzugeben. Schwer fällt es mir deshalb, weil in ganzen 850 Seiten einfach kaum etwas "passiert" ist.

Jeder der mit George R. R. Martins Reihe beginnt wird zunächst erschlagen von den ganzen Familien und den Details. Doch vor allem in den ersten Bänden ist es wunderbar mit der Handlung verwoben und ergänzt das Gesamtbild einer epischen Saga. Mittlerweile jedoch, fühlt es sich so an, als wäre die Geschichte dem Autor über den Kopf gewachsen. Er hat so viel zu erzählen, verliert sich in Details und bringt die Handlung nur noch in Millimeter Schritten vorwärts. Diese Tendenz ist mir bereits im Band 7+8 (Englisch #4) aufgefallen. Verstärkt wurde der Effekt dadurch, dass sich Herr Martin entschlossen hat pro Buch nur einer bestimmten Anzahl von Charakteren zu widmen.

Genau dieser Schritt, sorgt meiner Meinung nach für den Leistungsabfall. In jeder Reihe gibt es liebgewonnene Charaktere, doch die Trennung erscheint besonders hart, weil er genau einen Schnitt zwischen den "Bösen" und "Guten" gemacht hat. Nun ging es endlich wieder mit meinen liebsten Charakteren weiter und leider ist es dadurch nicht viel besser geworden. Nach den Höhepunkten aus Band 5+6 (Englisch #3) fühlt es sich so an als wäre die Luft völlig raus und die Handlung an der Stelle stehengeblieben. Bisher ist es mir nie so schwer gefallen, die Kapitel aufmerksam zu verfolgen und nicht ständig im Hinterkopf zu haben, na hoffentlich passiert endlich etwas.

Am liebsten hätte ich meine Charaktere angeschrien "Bewegt euch endlich! Macht was!" Ich kam mir in etwa so vor, wie ein ungehaltener Zoobesucher, der sich darüber ärgert, dass die heißersehnten Tiere nichts "spannendes" machen. Man betrachtet die Charaktere im Alltag, wie sie alltägliches tun und sich nicht in ein einziges Abenteuer wagen. Da hilft mir auch die wunderbare Atmosphäre und Herr Martins toller Schreibstil nichts. So bildhaft ich mir die einzelnen Audienzen vorstellen konnte, es lässt sich einfach nicht genießen, wenn einem dabei fast die Augen zufallen vor Langeweile. Noch nie habe ich erlebt, wie man so viele Seiten ohne jeglichen Fortschritt füllen kann.

Es wird sicher Leser geben, die zufrieden sind, wenn auf dem Cover George R. R. Martin steht und sich nicht an der Stagnation stören. Von der Tendenz her, macht es auch wieder mehr Spaß als Band 7+8, weil es wieder um die anderen Charaktere geht. Doch das war es auch schon, worüber ich wirklich Positives berichten kann. Meine Hochachtung vor George R. R. Martin und seiner Welt in allen Ehren, aber mir ist das nicht genug.

Fazit
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Wie soll ich nun diesen Band bewerten? Einerseits habe ich meine Charaktere wieder, doch sie drehen sich weiterhin nur im Kreis. Sicherlich ist es nur ein "halbes Buch", doch wenn ich überlege, wie wunderbar spannend und ereignisreich die ersten "halben Bücher" waren. Deshalb muss sich "Der Sohn des Greifen" an seinen Vorgängern messen und da sieht es leider nicht so rosig aus. Insgesamt kann ich im Moment leider nur sagen, für Fans sicherlich unverzichtbar, ansonsten bleibt abzuwarten was aus der Reihe wird.


Im Moment leider nur noch etwas für echte "Fans"
2,5 Sterne


Meinen Dank an BloggdeinBuch und Penhaligon für dieses Rezensionsexemplar!

 

Nachtwort zur "neuen" Übersetzung
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Bewusst bin ich innerhalb der Rezension nicht auf die Übersetzung eingegangen, weil sie nur indirekt mit dem Buch zu tun hat. Die Übersetzung ändert am Inhalt nichts, aber sie hat Einfluss darauf wie der Leser das Buch wahrnimmt. Zuvor habe ich Band 1-8 in der "alten" Übersetzung gelesen. Sehr viele Wörter wurden im Englischen belassen, vor allem Namen und Orte. Man gewöhnt sich an diese Namen und auf Grund des an den englischen Rosenkriegen orientierten Settings, hat es gut gepasst.

Es gibt Leser, die stören sich daran, in einem deutschen Text ständig über englische Begriffe und Namen zu stolpern. Nun wurde dieser Umstand berücksichtigt, es findet sich nahezu kein englisches Wort mehr im Buch. Im Anhang gibt es eine 15-seitige Übersicht in der Vokabelartig erklärt wird, wie welcher Begriff/Name neu übersetzt wurde. Manches ist nachvollziehbar, einiges nicht und als Kenner der alten Übersetzung unterbricht es den Lesefluss rapide. Ich finde es nach wie vor ein Unding, mitten in einer Reihe die Übersetzung zu ändern. Die derzeitige Amazonwertung zeigt auch vor allem die Unzufriedenheit der Leser auf.

Meine Wertung allerdings, hat nichts mit der Übersetzung zu tun. Ich nehme sie so hin und werde mir wohl gründlich überlegen, ob ich die Reihe nicht doch in der Originalsprache fortsetze...

 
6 Responses
  1. Lenchen ... Says:

    Ui, hört sich ja nicht gerade rosig an ... o.O
    Aber bei so langen Buchreihen lässt sich Langatmigkeit wahrscheinlich kaum vermeiden :( Schade :( Ich bin bisher immer noch bei Band 1 und finde es klasse :D Naja ... noch ;D


  2. Tina Says:

    Also ich kann dich trösten, es wird noch mehrere tausend Seiten dauern bis es nachlässt. Die ersten Bände 1-6 (im Original 1-3) sind mit das Beste im High Fantasy Bereich. Nur leider danach... Ich hoffe George kratzt noch die Kurve!

    Wünsch dir aber gaaanz viel Spaß mit der Reihe :)


  3. Hui... schade, ich hatte dir echt die Daumen gedrückt dass die Geschichte noch Fahrt aufnimmt. Es ist nie schön zu hören dass eine Reihe nachlässt, da denke ich mir immer nur man hätte sie besser rechtzeitig zum Ende gebracht und die Leser mit einem positiveren Gefühl zurückgelassen (Auch wenn viele dann natürlich immer traurig sind dass es vorbei ist^^).
    Es wird mich allerdings dann doch nicht davon abhalten die Reihe früher oder später zu lesen - wenn sich die ersten Bände dafür umso mehr lohnen ;)
    Zur Übersetzung, das ist natürlich hart für Leser die die Vorgänger in der alten Übersetzung haben. Es würde mich auch extrem stören in einer Reihe plötzlich umzustellen und dauernd nachschlagen zu müssen welcher Ort welcher ist. Mal schauen...


  4. Tina Says:

    Ich bin mir nicht sicher obs nur Gerüchte waren, aber urpsprünglich hätte wohl genau der Teil der Geschichte mit "10 Jahre später" übersprungen werden sollen. Wär wohl wirklich die bessere Lösung gewesen, denn das große Finale fehlt noch!

    Vor allem die ersten Bände sind wirklich klasse. Wobei "ersten" fast schon wenig klingt, das geht ja bis Band 6 hervorragend weiter.

    Wegen der Übersetzung habe ich auch beschlossen mir das TB von "A Dance with Dragons" zu kaufen und ab der Hälfte weiterzulesen. Mittlerweile lese ich ja immer mehr englische Bücher und ich hoffe es ist machbar ;)


  5. Tanja Says:

    WAS?! es wurde auch noch "mitten in den reihe die übersetzung geändert" ?! :O ansonsten, top rezension, kann ich nur zustimmend nicken ;)


  6. Tina Says:

    @Tanja:

    Genau mitten in der Reihe und das ist wirklich das Kundenunfreundlichste, das ich bisher von Verlagen erlebt habe. Vor allem wenn man sich überlegt, dass es "Das Lied von Eis und Feuer" seit 1997 in der alten Übersetzung gibt. Es ist schon hart nach 13 Jahren einfach die kompletten Namen/Orte auszutauschen und hinten eine Vokabelliste anzuhängen mit der alles "geklärt" ist. Tja aber darüber kann man natürlich lange diskutieren. Ich vermute der Hauptanreiz ist es, mit der neuen Auflage neue Leser zu gewinnen. Dabei wird in Kauf genommen die "alten" zufriedenen Leser zur Originalausgabe zu treiben. Schon schade...


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