
Titel: Forbidden
Originaltitel: Frobidden
Autor: Tabitha Suzuma
Reihe: - !
Seiten: 448
Verlag: Oetinger
Format: gebundene Ausgabe
ISBN: 3789147443
Preis: 17,95€
Erscheinungsdatum: August 2011
Genre: JugendbuchAltersempfehlung: 12 - 17 Jahre
Schwieriges Thema, einfühlsam geschrieben doch für mich ohne große Höhepunkte...
Inhalt
.................
.................
Für Maya und Lochan ist es ein schwieriger Kampf im Alltag. Zusammen müssen sie sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern, vom Vater verlassen, von der Mutter schwer vernachlässigt. Die Beiden stehen für einander ein und merken nach und nach wie sich ihre Gefühle weiterentwickeln. Gefühle, die sich so richtig anfühlen, aber verboten sind und sogar unter Strafe stehen...
Mein Eindruck
.....................................
Zunächst muss ich hervorherben wie bewundernswert einfühlsam Frau Suzuma die Entwicklung und Gefühle zwischen den Geschwistern beschreibt. Sie nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, geht bis ins Detail und lässt es schon fast wie die schönste und normalste Sache der Welt wirken, zwei sich liebende Menschen. Allerdings wird dem Leser immer wieder vor Augen geführt, wie verboten diese Gefühle sind und dieser Konflikt zieht sich logischerweise durch das gesamte Buch.
Der Konflikt aus Liebe, Verantwortung und sozialen Normen wird dem Leser gut nahegebracht, wenn auch sehr einseitig. Es mischen sich Alltagszenen und viele Szenen in denen Lochan und Maya allein sind und herausfinden, wie weit ihre Gefühle wirklich gehen. Zu Beginn war ich davon zugleich abgestoßen und fasziniert, es wird bewusst mit der Moral des Lesers gespielt. Doch irgendwann kam es mir vor, als würden sich die Szenen immer gleich wiederholen. Es passiert nicht viel Neues, es gibt keine neuen Blickwinkel und auch keine überraschenden Szenen. Ans Herz wachsen einem vor allem die jüngeren Geschwister und man leidet unter der himmelschreienden Vernachlässigung der Mutter mit.
Völlig plausible erscheint mir aber die Fürsorge nicht. Man muss schon wirklich großes Glück haben, dass sich genau die zwei älteren Geschwister für alles aufopfern und auf ein eigenes Leben komplett verzichten. Stellenweise wirken sie doch übertrieben vollkommen.
So hart sie vom Schicksal gebeutelt sind, erscheint die verbotene Liebe nahezu unfair. Meiner Meinung nach wird auch zu wenig auf die negativen Konsequenzen eingegangen, um diesem Bild entgegen zu wirken. Man spricht nur von strafrechtlicher Verfolgung, aber nicht davon weshalb die Handlungen überhaupt strafbar sind. Es hat seinen Sinn, dass man in der Regel genau das anziehend findet, was man nicht ist. Es hat seinen Grund, weshalb überall auf der Welt genetische Vielfalt herrscht. Zu ähnliche Gene können zu Krankheiten und geistigen Störungen führen. Es ist vor allem das gesundheitliche Risiko der potentiellen Kinder und nicht allein eine Diskriminierung der nah verwandten Eltern, die zur strafrechtlichen Verfolgung führt. Vor allem in Familien (und eindeutig auch hier im Buch!) herrschen deutliche Abhängigkeitsverhältnisse, die das Handeln beeinflussen. Wie sähen die Gefühle aus, wenn in der Familie nicht eine solche Belastung vorhanden wäre?
Darauf wird an keiner Stelle des Buches eingegangen und es hat für den Gesamtkonflikt auch keine wirkliche Lösung parat. Mir war die gewählte Lösung zu einfach, zu vorhersehbar und für so junge Leser außerdem bedenklich. Doch das muss jeder Leser (bzw. die Eltern) selbst bewerten.
Fazit
.............
Die einfühlsamen Beschreibungen haben mich beeindruckt und vor allem zu Beginn mitfiebern lassen. Allerdings wiederholt sich der Konflikt in der Dauerschleife, ohne neue Blickwinkel oder Überraschungen zu bieten. Dadurch konnte mich das Buch nicht durchgehend fesseln. Meiner Meinung nach werden die negativen Aspekte viel zu gering beleuchtet und die Auflösung scheint doch der einfachste Weg von allen zu sein.
Enfühlsam, doch sehr einseitig beleuchtet.











Sehr schöne Rezension, die ich ziemlich gut nachvollziehen kann. Als ich das Buch gelesen habe, war ich in eben dem gleichen Zwiespalt. Nach der Lektüre war ich ziemlich begeistert, aber im Nachhinein fallen mir immer mehr störende Punkte auf, irgendwie. Die fehlenden Fehler der Figuren beispielsweise und auch, dass der Konflikt irgendwie kaum an Tiefe gewinnt, sondern immer gleich bleibt.
Dass die Familie allerdings einer solchen Belastung ausgesetzt ist, fand ich nicht so störend. Sicherlich geht es nicht jedem so und es wäre auch interessant zu sehen, wie sich unter anderen Umständen so etwas entwickelt, doch hier fand ich es als potentielle "Quelle" für die Gefühle eigentlich ganz gelungen.
Hast du schon "Ludvig meine Liebe" von Katharina von Bredow gelesen? Das behandelt die gleiche Thematik und soll ganz gut sein - ich habe es bisher allerdings nur auf dem SuB und noch nicht gelesen.
Ich geb dir schon Recht, die familiäre Situation ist zumindest ein nachvollziehbarer Auslöser. Allerdings wäre jeder "normale" Teenager irgendwann zusammengebrochen und hätte keine ganze Familie über weite Strecken ernähren können. Ich an deren Stelle hätte auch längst die Mutter beim Jugendamt angezeigt, zusammenbleiben hin oder her, aber ich würde es meinen Geschwistern nicht zumuten wollen so aufzuwachsen.
Puh ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich mir noch ein Buch in der Richtung zumuten will. Es ist ein schwieriges Thema und ich tendiere da eher dazu Bücher zu lesen, die mich unterhalten und mir Spaß machen als solche, die eher deprimieren. Deshalb liegt wohl auch die "Bücherdiebin" schon ewig auf dem SuB^^
Ich fand Maya und Lochan sehr real und einfühlsam beschrieben. Ich fand nicht, dass sie fehlerfrei waren, denn obwohl ich es vor Monaten gelesen habe, ist mir z.B. Lochans Soziophobie noch sehr stark in Erinnerung. Einzig dieses völlig überzogene Ende hat mir das ganze Buch vermiest.
@Egoliquida:
Bei Lochan gebe ich dir Recht, sein Problem nicht in der Öffentlichkeit sprechen zu können, war ein Makel. Aber wenn man darüber nachdenkt so wirklich der einzige. Er ist erstklassig in der Schule, könnte locker an eine Eliteuniversität gehen, gibt Nachhilfestunden nur um jemand anderen etwas zu schenken, gibt sein komplettes Leben für die Geschwister her und hält da alles zusammen. Das ist alles ganz schön viel für einen Teenager. Würde ich vielleicht noch so hinnehmen, allerdings findet sich an Maya nicht ein einziger Fehler. Sie war immer verständnisvoll, immer einfühlsam, hat bei allen Streiereien vermittelt, in der Schule ebenso beliebt und spielt noch die Ersatzmutter. Da bekommt man als "normaler" Mensch schon fast Minderwertigkeitskomplexe ;P
Aber ich kann gut verstehen, wie mitreißend das Buch ist und vor allem wie du von dem Ende enttäuscht warst. Ich hatte mir davon auch mehr erhofft :(
Klasse Rezension, habe ich sehr gerne gelesen (und das obwohl das Buch bisher noch bei mir herumliegt). Ich habe mich wegen dem Thema noch nicht ganz rangetraut, gerade weil ich mir Gedanken darüber mache ob man das wohl wirklich gelungen herüber bringen kann.
Vielleicht sollte ich es bei Gelegenheit mal damit versuchen, auch wenn das Buch nicht ohne Makel zu sein scheint.
@Suppenhuehnchen:
Ich war auch überrascht wie gut die Autorin das Thema eigentlich rübergebracht hat. Nur bleibt der Konflikt leider sehr oberflächlich und einseitig. Aber lesenswert ist es allemal! Bin gespannt, wie du es finden wirst.
ach, dieses buch...ich weiß nicht :/
mich schreckt ehrlich gesagt das thema total ab...
@Tanja:
Mir ging es ebenso und ich denke hätte es das Buch nicht als Wanderbuch gegeben, hätte ich wohl darauf verzichten können. Die Autorin geht da auch ziemlich ins Detail...
Ich sehe es auch als sehr mutig von der Autorin an, einen Jugenroman über so ein schwieriges, taburisiertes Thema zu schreiben. Gelesen habe ich den Roman bisher noch nicht - erst wollte ich es unbedingt, aber dann wurde in einigen Rezis gesagt, dass es an der konsequenten Umsetzung der Grundidee geharpert ahben soll, wie du auch meintest.
@Kathriona:
Ich denke es ist einen Blick wert, wenn man sich auf das Thema einlassen kann und in etwa weiß, was so auf einen zukommt. Gekauft hätte ich es wohl eher nicht und bin ganz froh nun es nur geliehen zu haben.