Titel: Der Herr der Tränen 
Originaltitel: The Legacy Of Lord Regret
Autor: Sam Bowring 
Reihe: Strange Threads #1 (insgesamt 2 Bände)
Seiten: 448
Verlag: Blanvalet
Format: Taschenbuch
ISBN: 3442269431
Preis: 9,99 € 
Erscheinungsdatum: 18. November 2013
Genre: High Fantasy

Sie sind zurückgekehrt und halten die Welt erneut im Atem - Wächter gegen Wächter. Wer wird überleben?


Inhalt 
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Ursprünglich waren die Wächter tapfere und gute Menschen. Sie sind ausgezogen um den Herrn der Tränen aufzuhalten, der die Welt mit seiner magischen Manipulation in den Abgrund stürzen wollte. Doch etwas ging bei der Rettungsmission schief, die magischen Fäden wurden auf die Retter übertragen, statt das Gleichgewicht wiederherzustellen. Ein Großteil der Helden veränderte sich und wütete daraufhin noch schlimmer, als der Tyrann vor ihnen.

Doch diese Zeiten sind nun schon seit 300 Jahren vorbei. Niemand hat mehr einen der Wächter gesehen. In den letzten Jahren gab es zahlreiche andere Schlachten zu schlagen, bei denen sich der Krieger Rostigan einen Namen gemacht hat. Die Bardin Tarzi hat sich an seine Fersen geheftet, auf der Suche nach Stoff für neue Lieder und Geschichten. Rostigan ist das alles so leid und doch scheint sich Tarzis Wunsch zu erfüllen. Denn die Wächter sind zurückgekehrt.

Mein Eindruck
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Es gibt High Fantasy Bücher, die erschlagen den Leser von Beginn an mit Umfang und Komplexität. Viele Leser schreckt ab, sich erst in eine Welt hineinlesen zu müssen, bis man sie richtig genießen kann. Bei "Der Herr der Tränen" fand ich es unheimlich gelungen, wie leicht dieser Einstieg fällt und damit beweist, dass auch High Fantasy von Beginn an zugänglich sein kann. Anfangs lernt man Rostigan kennen, einen Krieger, der es leid ist zu kämpfen. Das passt seiner Begleiterin Tarzi gar nicht. Sie ist auf der Suche nach Stoff für neue Lieder und dafür müssen Heldentaten her.

Heldentaten gab es allerdings in der Vergangenheit zu Genüge. Ein mächtiger Fadenwirker, der Herr der Tränen, hatte Aorn unterworfen und drohte das magische Gleichgewicht zu zerstören. Er wurde gestoppt, doch aus den Rettern wurden noch schlimmere Kreaturen. Die Magie des Tyrannen lebte in ihnen weiter. Mir hat es gut gefallen, wie der Autor einem im Laufe des Buches sämtliche Wächter näherbringt. In wechselnden Perspektiven erfährt man, welche Menschen sie früher waren und was nun aus ihnen geworden ist. Die Diebin, Forger, Salarkis, Despirrow usw., alles Gestalten, denen man lieber nicht begegnen möchte. Demgegenüber stehen wenige Ausnahmen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die anderen Wächter aufzuhalten. Mit Rückkehr der Wächter geht alles wieder von vorne los. Gut gegen Böse. Grausamkeit gegen Gnade. Ein Wettlauf gegen die Zeit. 

Gelungen fand ich auch, wie greifbar und erklärbar das Magiesystem ist. Hier wird nicht mit Blitzen aus dem Nichts geschleudert, sondern alles basiert auf einer Struktur aus magischen Fäden. Verändert man die Struktur, verändert man dadurch die Umwelt. Daher haben die "Fadenwirker" ihren Namen. Jeder der Wächter hat zusätzlich noch besondere Fähigkeiten. Umso bitterer, dass die veränderten Wächter diese Fähigkeiten gnadenlos missbrauchen. 

Ein wenig Schade fand ich, dass Rostigans Entwicklung und Stellung in der Geschichte zunehmend in den Hintergrund gerät. Nach einer schockierenden Enthüllung zur Mitte hin dreht sich später eigentlich nur noch alles um die Wächter. "Normale" Menschen sind eher Beiwerk und fast schon machtlos. Nichtdestotrotz ist dieser Kampf fesselnd und von Anfang bis Ende spannend. Hut ab davor, wie Sam Bowring dieser Welt Leben eingehaucht hat und mit seiner Geschichte durchgehend begeistern kann.

Fazit 
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"Der Herr der Tränen" ist ein faszinierender Auftakt. Innerhalb kürzester Zeit taucht man in eine Geschichte ein, in der es nur auf dem ersten Blick ausschließlich um "Gut gegen Böse" geht. Denn auf beiden Seiten gibt es Grauzonen. Am Ende wollen beide gewinnen, es bleibt abzuwarten, ob es auch für alle anderen (eigentlich unbeteiligten) Menschen ein gutes Ende nimmt. Besonders hat mir gefallen, wie zugänglich die Welt und ihr Magiesystem sind. Darüber hinaus werden einem die Hauptakteure Stück für Stück näher gebracht, ohne mit Informationen zu überfordern. Ich hätte mir nur gewünscht, dass Rostigan weniger zur Nebenfigur abdriftet. Und dieses abrupte Ende, fies! Aber ich freue mich jetzt schon auf den Abschluss!
 


Gelungener High Fantasy Auftakt, der sich auch für Einsteiger eignet!
3,9 Sterne


Anmerkung:
Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar erhalten.
6 Responses
  1. Reni Says:

    Das hört sich doch gar nicht mal schlecht an. Somit werde ich das Buch mal im Auge behalten und vielleicht im nächsten Jahr (hört sich irgendwie noch so fern an) ins Regal stellen. Achso, wie fandest du "Spinnenkuss" eigentlich? Ich überlege, ob es was für mich wäre. Momentan läuft mir das Cover ja ständig über den Weg und ich bin natürlich gespannt was du von der "Mondscheinbäckerin" hälst. Der englische Titel passt da weitaus besser, wie ich finde.

    Liebe Grüße und schöne Weihnachtstage dir.
    Reni


  2. Bou Says:

    Momentan hab ich ja so meinen Fantasytrip, aber an die richtigen Hardcore Fantasyfilm Bücher mit komplexen Magiesystem usw traue ich mich noch nicht ran, ich notiere mir aber immer alles brav was du rezensierst und gut findest :P


  3. Melanie S. Says:

    Ich wollte grade schreiben, dass ich dann lieber auf den zweiten Teil warten sollte, wenn du sagst, das Ende wäre gemein. Aber eben sehe ich, dass es den auf Englisch ja schon längst gibt. Allerdings lese ich Fantasy auf Deutsch fast lieber *mhhh*
    Egal wie die Entscheidung ausfällt, deine Rezi hat mich nun neugierig gemacht und ich werde mir das Buch auf die Wunschliste setzen :)


  4. Soleil Says:

    Ich habe ja gehofft, dass der Weihnachtsmann mir dieses Buch bringen wird, aber dem war leider nicht so. Davor bin ich immer ratlos darum herumgeschlichen, weil ich mich nicht recht entscheiden konnte. Wirklich enttäuscht war aber bisher niemand.
    Vielleicht sollte ich es einfach versuchen :)


  5. Hannah Says:

    Das hab ich meinem Vater zu Weihnachten geschenkt und ich plane auch das bald zu lesen! :D
    Danke für die Geschenkidee ^^


  6. Tina Says:

    @Reni:

    Stimmt "nächstes Jahr" kann man jetzt guten Gewissens sagen und in ein paar Tagen meinen ;) Spinnenkuss hat mir richtig gut gefallen. Man merkt einfach, wie erwachsen es geschrieben ist. Gin ist eine RICHTIGE Assassine. Yay! Sie tötet und Blut fließt auch dabei und trotzdem kann man sich in sie hineinversetzen. Ich werd die Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen, weiß nur noch nicht, ob in Englisch oder Deutsch.

    Mit der Rezi sollte ich noch heute oder morgen schaffen!

    Dir auch liebe Grüße und ich hoffe, du hattest schöne Feiertage!

    @Bou:

    Sehr artig von dir ;P Aber so komplex ist es gar nicht. Gerade das hat mir an dem Auftakt auch so gut gefallen, man ist sofort in der Geschichte und braucht nicht lange, um die Welt und die Magie zu verstehen. Bin noch immer ganz aus dem Häuschen, dass du meine Tipps endlich mal umsetzt^^

    @Soleil:

    Schade, das wäre echt ein schönes Geschenk gewesen! Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Bisher sind vor allem die deutschen Meinungen echt gut. Seltsamerweise kennt es auf Englisch kaum jemand. Bei Goodreads wurde es gerade mal 77x bewertet, sonst sind das um die mehre 100 bis 1000 Bewertungen.

    Bin sehr gespannt, ob es dir gefällt, falls du es versuchst ;)

    @Hannah:

    Ah schön! Mal sehen, ob es ihm gefallen wird! Dir dann auch viel Spaß, wenn du es zwischen die Finger bekommst ;P

    Gerne doch!


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