Interview mit Martina Riemer



Heute gibt es ein Interview, das eigentlich schon lange geplant war. Bereits im März ist Martina Riemers Debüt "Glasgow Rain" als Selbstveröffentlichung bei Amazon erschienen. Schon damals wollten wir ein Interview machen, nur leider hat es dank mir und meiner Examensvorbereitung nicht geklappt. Aber JETZT! 

Unter "weiterlesen" erwartet euch ein Interview über das Schreiben, Verlage und das Selbstveröffentlichen. Es geht um das Bedürfnis, seine Geschichte erzählen zu wollen, egal welche Steine einem in den Weg gelegt werden. Zum Abschluss gibt es noch eine Verlosung, an der jeder teilnehmen kann, der irgendwie sein Geschreibsel verbreiten kann und möchte. Sei es über den eigenen Blog, Twitter, oder Facebook. Martina hat übrigens neben ihrem Blog über das Schreiben auch einen Buchblog unter Martina Bookaholic. (Der auch schon 100 Jahre meinen Blogroll ziert, also nur falls ihr ihn nicht kennt^^).

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Schreiben, Veröffentlichen und Aussichten
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1. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Zuerst kam das Lesen, dann der Wunsch meine Eindrücke zu Büchern mit anderen zu teilen, was zu meinem Literaturblog geführt hat. Aber irgendwann kamen auch eigene Gedanken dazu, die sich immer weiter verknüpft und zu Geschichten formten.

Wieso ich schließlich angefangen habe zu schreiben? Da ich schon immer eine Tagträumerin war und es liebe zu lesen, war es irgendwann naheliegend, auch eigene Ideen und Geschichten niederzuschreiben. Aber im Frühjahr 2011 war ein einschneidendes Erlebnis für mich, als ich das Buch ‚Hush, Hush‘ von Becca Fitzpatrick gelesen habe, das ein Bestseller war. Dieses Buch hat mir leider überhaupt nicht gefallen und vor allem die Figuren darin haben mich furchtbar genervt und innerlich aufgeregt, dass ich mich gefragt habe, wie so eine Geschichte veröffentlicht werden kann. Außerdem hatte ich plötzlich den Mut es mit meiner Idee, die mir schon länger im Kopf herum geschwebt ist, selbst zu versuchen, da es egal war, wenn es doch nicht klappen sollte – aber den Versuch wollte ich ab diesem Zeitpunkt einfach wagen.



 
2. Was findest du schwieriger, auf Ideen zu kommen, oder Ideen in einem laufenden Projekt umzusetzen?

Ideen kommen laufend, wenn ich Musik höre, durch die Stadt gehe, kurz vor dem Schlafen gehen, wenn ich in der Dusche stehe und zur Musik mitsinge… das ist das Leichteste. Aber zu entscheiden, welche kurzen Ideen und Einfälle sich auch zu etwas Größerem – zu einer ganzen Storyline ausbauen lassen und dann an diesen Projekten dran zu bleiben – ist furchtbar schwer.
Besonders da diese neuen Ideen gerne im Kopf auftauchen, wenn man eigentlich andere Geschichten zu schreiben hat und man sich nicht ablenken lassen sollte. Bisher bin ich nämlich ziemlich eisern, was das anbelangt, und versuche so gut es geht, erst neue Projekte zu beginnen, wenn ich das aktuelle zu Ende geschrieben habe. Naja, fast immer eisern… ich bin auch nur ein Mensch.. und plotten darf man doch, oder? ^^


 
3. Schreibst du einfach drauflos, oder hast du vorher schon ein ausgearbeitetes Konzept deines Plots?

Glasgow Rain mein erstes Manuskript und damals habe ich einfach nur drauf losgeschrieben, weil ich es ganz zu Beginn nur für mich und dann für eine gute Freundin geschrieben habe und nicht vorhatte, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Daher ‚nein‘, der Plot war vorher nicht genau durchgeplant und hat sich oft wie von selbst beim Schreiben ergeben. Wenn sich dadurch in der Handlung manchmal ein Hänger ergeben hat, habe ich einfach gewartet und eine Pause eingelegt, bis ich eine Lösung gefunden habe und dann wieder weitergeschrieben.
Aber anders zu arbeiten – mit einem durchdachten Plotplan, einer Charaktererstellung usw. – ist es viel leichter und genau das mache ich jetzt bei jeder weiteren Geschichte, auch wenn sich dort noch immer hin und wieder neue Wendungen oder Szenen ergeben. 


Man lernt eben doch mit Erfahrung und bei Glasgow Rain zwickt und zwackt es leider noch an manchen Stellen, was ich wahrscheinlich mit einem durchüberlegen Plotplan vermieden hätte. Deswegen versuche ich auch hin und wieder Bücher über das Schreiben zu lesen, immer wieder zu üben und Kritiken ernsthaft durchzudenken und anzunehmen, um aus Fehlern zu lernen und mich stetig zu verbessern. Es ist alles ein Prozess und ein Weg, bei dem man nie ankommt, sondern immer nur weiter geht.


4. Mittlerweile steht ja fest, dass dein neues Projekt im kommenden Jahr beim Impress-Imprint vom Carlsen Verlag erscheinen wird. Herzlichen Glückwunsch dazu nochmal! Wie würdest du die momentane Situation bei der Verlagssuche bewerten? Hast du Empfehlungen an Neueinsteiger?

Waaaah *kreisch hüpf schrei u Haar rauf* … ähm ja. *hust* ^^
Danke dir! Richtig, ich veröffentliche tatsächlich nächstes Jahr bei Impress, wofür ich furchtbar dankbar bin, und womit ein riesiger Traum für mich in Erfüllung geht, mit dem ich schon fast nicht mehr gerechnet habe.

Wo wir auch schon bei deiner zweiten Frage wären:

Derzeit ist es sehr, sehr schwer in Agenturen oder Verlage zu kommen, oder nur ich habe das Gefühl.^^ Aber ich bin momentan ebenfalls wieder auf der Suche für meine Urban Fantasy Idee und bisher kamen leider nur Absagen. Es kommt aber auch darauf an, in welchem Genre man schreibt. Urban Fantasy oder High Fantasy hat es gerade schwer. Dafür boomt Contemporary Romance oder sehr erotische zeitgenössische Liebesgeschichten - besonders bei den neueren Verlagen, wie Sieben und ähnliche. Wenn man davon etwas in der Schublade hat, sollte man jetzt sein Glück versuchen. Wichtig dabei ist immer – geduldig sein und ständig an sich arbeiten. Ach ja, und ein dickes Fell bei Kritik und Ablehnung sollte man sich schon im Vorhinein besorgen… ;)



5. Wie gehst du (als Bloggerin und gleichzeitig Autorin) mit kritischen Rezensionen um?

Von der Seite als Bloggerin ist es natürlich nie so einfach eine kritische Rezension zu schreiben, besonders bei deutschen Autoren, die sich erst etablieren müssen und positive Bewertungen sicherlich noch eher brauchen als andere; geschweige denn Rezis bei Autoren zu verfassen, die man selbst kennt.

 
Hier ist es eine noch verzwicktere Situation, da man den anderen nicht verletzen möchte, aber anderseits hat man als Blogger ebenso eine Verantwortung zu tragen, und zwar, dass man seine ehrliche Meinung äußert. Und es kann ein Buch nun einmal nicht JEDEM gefallen – auch Rowling/Tolkien usw. usf. haben Kritiken bekommen – so ist das nun mal. Es gibt so viele verschiedene Geschmäcker, wie es Menschen gibt.

 
Damit muss man rechnen, daher versuche ich, immer ehrlich zu sein. Dennoch habe ich speziell als Bloggerin auch schon negative Erfahrungen machen müssen, nach einer kritischen Rezension, was mich selbst geschmerzt hat. Besonders in letzter Zeit kommt es mir vor, als ob es bei Kritiken weniger Toleranz in der Bloggerwelt gibt. Ich für meinen Teil habe mich deshalb dazu entschlossen, in Zukunft wieder vermehrt Bücher von ausländischen Autoren zu lesen.

Als Autorin muss ich aber auch zugeben, dass natürlich jede negative Rezension wehtut – wäre auch komisch, wenn es nicht so wäre. Immerhin beschäftigt man sich monatelang mit diesem Werk, kennt die Charaktere, liebt sie, überlegt sich eine Handlung und feilt an ihr… es ist so, als würde alles in einem drinnen lebendig werden… und dann kommt plötzlich jemand und sagt, er mag die Figur oder den Verlauf nicht, wegen diesem und jenen und man denkt im ersten Moment nur „Nein! Wieso?“ Erst wenn man die Rezension, mit ihren Plus- und Minuspunkten gelesen hat, kann man entweder vieles davon aufnehmen und mitnehmen, um es beim nächsten Mal besser zu machen, oder andere Punkte einfach hinnehmen.

Ich habe schon so viele unterschiedliche Meinungen und Dinge zu Glasgow Rain gehört, dass ich gar nicht mehr alles davon einfließen lassen kann. Und das ist teilweise dann auch gut so, denn es gibt auch Leute, die es geliebt haben und die einem mit netten Nachrichten vor Glück Tränen in die Augen zaubern… genau für solche Leute schreibt man dann. Ein Buch kann nicht für alle funktionieren und muss es auch nicht – sondern nur für jene, für die das Buch gedacht ist…

(Mh, nur weiß man das erst im Nachhinein – zwar auch blöd, ist aber so. ^^)



6. Was war der schönste Moment im Zusammengang mit der Veröffentlichung von „Glasgow Rain“?

Wie ich gerade oben erwähnt habe, sind das auf alle Fälle die positiven Reaktionen, die ich von Lesern erhalte. Wenn sie eine Nachricht schreiben mit „Rafael war so toll, ich bin verliebt“ oder Fotos mit dem Buch in der Hand schicken und sich für die Geschichte bedanken,…. Das sind definitiv die glücklichsten Momente nach dem Schreiben, die man nie mehr vergisst.

Außerdem war es auch ein tolles Gefühl, das Buch nach all der Arbeit dann endlich auf Amazon auf der Verkaufsseite zu sehen. Und besonders mega toll war es, als ich das Taschenbuch das erste Mal in der Hand halten durfte, das nun in meinem Bücherregal thront. Diese Erinnerungen bleiben.



7. Würdest du noch einmal den Weg der Selbstveröffentlichung gehen?

Du stellst wirklich keine leichten Fragen, hat dir das schon einmal jemand gesagt? ;)
Also zur Antwort: Nachdem das Verlagswesen doch ein ziemlich langsames Business ist und man oft ein halbes Jahr oder viel länger auf eine Antwort warten muss, habe ich mich nach zwei Jahren voll Bangen und Warten für den anderen Weg entschieden.
Nach einigen Absagen und endlosem Warten habe ich mich ein halbes Jahr nach Fertigstellung der Geschichte wieder an das ‚alte‘ Manuskript gesetzt, um noch ein letztes Mal alles zu überarbeiten und zu ändern, an Testleser zu schicken, um schlussendlich das Beste herauszuholen.


Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich es wirklich komplett alleine durchziehen soll, da man das eigene Geld in ein ungewisses Projekt steckt. Aber schließlich habe ich mich dazu entschieden, es selbst zu veröffentlichen, weil mir die Geschichte zu wichtig, zu wertvoll war, und ich schon so viel Zeit und Herzblut darin investiert habe, um sie unveröffentlicht in einer Schublade vergammeln zu lassen. [Edit von Tina: Also ja!]



8. Was dürfen wir in Zukunft von dir erwarten?

Meine Lieblingsfrage – weil ich noch so viel vor mir habe, auf das ich mich schon jetzt freue.^^

Sicher, ‚Glasgow RAIN‘ ist mein Baby und wird es auch immer bleiben, aber genau das ist es auch – es ist mein Erstlingswerk und mit einigen Macken behaftet, die ich in meinen weiteren Geschichten hoffentlich weitestgehend vermieden habe.
Daher hach, ja, ich habe noch eine Menge Ideen, die ich alle umsetzten möchte. Manchmal fürchte ich sogar, dass mir die Zeit fehlt, sie auch alle niederzuschreiben, aber zum Glück habe ich bei den interessanteren Ideen schon ein paar Skizzen aufgeschrieben, damit ich nichts vergesse, bzw. einen groben Plotplan ausgearbeitet. Wenn ihr neugierig seid, sind auf meiner Projektseite ein paar Ideen aufgeführt, die mir so im Kopf herumschwirren: http://martinariemer.wordpress.com/zukunftige-projekte/

Von diesen Vorab-Ideen habe ich bereits zwei Projekte angefangen. Beziehungsweise ist der erste Band meiner Urban Fantasy Dilogie für Erwachsene bereits seit 2-3 Monaten fertig und das Exposé befindet sich gerade bei Agenturen und Verlagen, was für mich erneutes Warten bedeutet. Die Geschichte handelt von Abkömmlingen von Göttern und Titanen, die sich seit jeher im Krieg befinden, und wie immer spielt dabei auch eine Romanze eine große Rolle. Ich hoffe sehr, dass ich bei einem Verlag unterkomme, daher würde ich mich freuen, wenn ihr mir hierfür die Daumen drückt. :)
Mein drittes Projekt wird wieder eine New Adult/Contemporary Romance Geschichte werden, die– wie schon oben erwähnt, bei Impress erscheinen wird. Die Story handelt von Sarah und Johnny, die aus Österreich stammen, sich eigentlich nicht vertragen – eher ständig streiten – aber durch verschiedene Umstände gemeinsam einen Trip nach New York machen. Zum Vergleich und zur besseren Einschätzung: Es wird so eine Mischung aus Jessica Sorensen und Morgan Matson werden. Außerdem wird Gitarrenmusik und Summerfeeling einen hohen Stellenwert darin haben, darum passt auch perfekt der Mai/Juni 2015 für die Veröffentlichung, auf die ich schon jetzt gespannt bin.

Ich danke dir, liebe Tina, für das nette Interview und die interessanten Fragen und euch – liebe Leser – für die Zeit, die ihr euch hier genommen habt.

Alles Liebe, Martina
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Aktionspreis
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Vielen lieben Dank an Martina auch von meiner Seite! Ich finde es immer spannend, den anderen Blickwinkel kennenzulernen und zu erfahren, wie die Geschichten, die wir am laufenden Band verschlingen, überhaupt erst entstehen. Besonders interessant ist daran, dass Martina den modernen Weg der Selbstveröffentlichung gegangen ist, aber für ihr nächstes Projekt einen Verlag im Rücken hat. Waren früher selbsgedruckte Bücher noch verschrien, haben sich mit dem E-Book Markt heute ganz neue Chancen ergeben. Ich vermute, für die Zukunft wird sich zeigen, ob beide Wege der Veröffentlichung mehr Hand in Hand gehen werden oder sich gar völlig aufteilen.


Und nun für alle, die sich so tapfer bis nach unten durchgekämpft haben (danke euch! ;P), gibt es noch die versprochenen Hinweise:

Zum einen gibt es das E-Book von "Glasgow Rain" ab heute (18.06.2014) und bis zum Wochenende für 0,99 € statt 2,99 €: *Klick-hier*

Ich hatte Martinas Buch bereits vor einiger Zeit bereits gelesen und empfehle jedem, sich einfach mal die Leseprobe anzuschauen. Dann kann man in Ruhe überlegen, ob man nicht doch einen Euro in die Geschichte investieren möchte. Das ist für mich das Faszinierende am Modell Selbstveröffentlichung - noch nie gab es so viele Geschichten, für so wenig Geld! Auf der anderen Seite liegt es nun am Leser selbst, den Qualitätstest durchzuführen. Kein Verlagsmitarbeiter oder Agent ist vorgeschaltet, der einem die Auswahl abnimmt. Man hat es also selbst in der Hand, welche Bücher auf den eigenen E-Reader kommen :)

Wer noch einmal mehr zu "Glasgow Rain" und meinem Eindruck davon nachlesen möchte, findet die Rezension hier.


Verlosung
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Zum anderen noch der Hinweis, auf die von Martina gestartete Verlosung. Und zwar bekommt jeder, der die Aktion via Blog oder Facebook oder Twitter verbreitet, die Chance auf:


1x ein signiertes Taschenbuch von "Glasgow Rain" mit Lesezeichen

Einfach den Beleglink entweder auf Martinas Blog hier als Kommentar posten, oder ihr eine E-Mail schreiben.


Solltet ihr euch zum Kauf entscheiden, viel Spaß mit dem Buch, und wenn ihr die Aktion verbreiten möchtet, viel Glück für die Verlosung!


6 Responses
  1. ich bin schon seit 100 Jahren in deiner Blogroll - jetzt machst du mich aber älter als ich bin. :D Aber gut, du ja bei mir auch, wenn nicht sogar schon 250! Jahre. ^^
    Danke für das Interview, hat Spaß gemacht :)
    LG Tina


  2. Tina Says:

    Hehe, wir sind schon ganz schön alte Säcke, wenn man danach geht ;P


  3. stimmt - mit Falten und weißen Haaren^^


  4. Tanja V. Says:

    Das ist ein ganz tolles Interview geworden! :D <3


  5. Melanie S. Says:

    Ich finde es gut, dass das Interview doch erst jetzt kam - sonst wäre es vielleicht ein bisschen untergegangen im Trubel im März. Auf jeden Fall ist es sehr gut geworden - Tina stellt wirklich keine leichten Fragen, aber die Antworten sind so interessant :)


  6. Freut micht, dass es euch gefallen hat und ne, Tina stellt echt nicht leichte Fragen.. hart aber herzlich, oder wie heißt das ;)


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