Titel: Runa
Originaltitel:

Autor: Vera Buck
Reihe: Keine!
Seiten: 608
Verlag: Limes
Format: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen
ISBN: 3809026522
Preis: 19,99 € 
Erscheinungsdatum: 24. August 2015
Genre: Historisch, Mystery
Bestellen: beim Verlag  


Wenn die Forschung die Grenzen der Menschlichkeit überschreitet und Opfer gebracht werden, die niemand rechtfertigen kann...

Inhalt 
................. 

Im Jahre 1884 ist die Salpêtrière-Klinik der Ort, an dem Medizingeschichte geschrieben wird. Der berühmte berüchtigte Arzt Dr. Charcot führt Experimente an seinen Patientinnen durch, die ganz Europa anlocken. Es sind regelrechte zur Schaustellungen, die die Grenze jeder Menschlichkeit überschreiten. In einer folgenreichen Vorführung trotzt die neue junge Patientin Runa Dr. Charcots Behandlungsmethoden. Der junge angehende Arzt Jori Hell schlägt daraufhin vor, etwas nie Dagewesenes zu versuchen. Er will als Erster eine Operation am menschlichen Gehirn durchführen und den Wahnsinn der Patientin herausschneiden. Grenzenloser Ruhm für die Salpêtrière-Klinik und für Jori könnte es endlich den Doktortitel bedeuten. 

Wenn es gelingt... Denn weder die Ärzte noch Jori haben die Rechnung mit Runa gemacht...
  
Mein Eindruck 
..................................

Man muss ehrlich sagen, "Runa" hat es ganz schön in sich. Hier verwischen die Grenzen zwischen Realität, Wahnvorstellungen und dem, was als Mensch noch zu ertragen ist. Denn die medizinische "Therapie" in der Salpêtrière-Klinik war alles andere als ein Zuckerschlecken. Das Buch spielt Ende des 19. Jahrhunderts und widmet sich einer Zeit, in der diese Behandlungsmethoden der neuste medizinische Fortschritt waren. Aus heutiger Sicht einfach nur grauenvoll, aus damaliger Sicht im wahrsten Sinne des Wortes der neuste Schrei.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei das Hauptaugenmerk schon eher auf dem jungen Studenten Jori liegt. Er kam aus der Schweiz nach Paris, um dort seinen Doktor zu machen. An der psychiatrischen Klinik sucht er für eine nahestehende Person nach einem Ausweg. Die Patientin Runa könnte dabei seine Chance sein, endlich zu promovieren und anschließend zurückzukehren. In Rückblicken erfährt man mehr über Joris Motive und Vergangenheit. Gleichzeitig wird die Geschichte auch aus Sicht eines Ermittlers und eines zunächst namenlosen Jungen erzählt. Im Laufe des Buches überschneiden sich die Wege der Figuren. Meiner Meinung nach hat das die Autorin sehr geschickt eingefädelt. Zu Beginn scheint überhaupt kein Zusammenhang zu bestehen, bis das Gesamtbild immer klarer wird. 

Für mich war es so, dass die Beschreibungen der Klinik, die Vorführungen und die medizinischen Details von Beginn an eine regelrechte Sogwirkung entfaltet haben. Der eigentliche Plot braucht seine Zeit, bis er in Fahrt kommt, um dann umso fesselnder fortzuschreiten. Allerdings kann es schon sein, dass einem Leser, der sich weniger für die medizinischen Hintergründe interessiert, das erste Drittel etwas langatmiger erscheint. Grundsätzlich wird viel mit der Ahnungslosigkeit des Lesers gespielt und oft auch durch Perspektivwechsel neue Fragen aufgeworfen. Mir persönlich hat jedoch nichts gefehlt. Im Gegenteil die vielen offenen Fragen und manchmal verwirrenden Abschnitte haben mich umso mehr zum Weiterlesen angetrieben.

Etwas schade fand ich dagegen, dass das eigentliche Ende unheimlich schnell abgehandelt wird. Kaum vorzustellen bei 600 Seiten, doch die Auflösung ging dann recht flott über die Bühne. Für meinen Geschmack bleibt es in mancher Hinsicht zu offen. Die ein oder andere Einzelheit hätte ich gerne noch geklärt gehabt. 

Fazit
..................


"Runa" ist ein Buch, das sich der historischen Vergangenheit der Nervenheilkunde im 19. Jahrhundert widmet. Dazu kommen noch einige gruselige Elemente und verleihen dem Buch einen ordentlichen Mystery-Einschlag. Die geschilderten Behandlungsmethoden gehen an die eigenen Nerven, man sollte sich darauf gefasst machen. Wer sich für die Funktionsweise des Gehirns generell interessiert und auch mal wissenschaftlichen Ausführungen nicht abgeneigt ist, hat mit "Runa" auf jeden Fall seine Freude. Gleichzeitig gibt es noch einen spannenden Plot rund um Mordfälle in Paris, die alle seltsame Parallelen aufweisen. Abgesehen zu einem zu schnell abgehandelten Ende mit ein paar losen Fäden, hat mir das Buch sehr gefallen. Ein Genre-Ausflug, der sich gelohnt hat!

 
Gruselig, gruseliger, am gruseligsten!
4,2 Sterne


 


4 Responses
  1. Katja Junge Says:

    Hi Tina,

    gute Zusammenfassung! Also das Buch steht definitiv auf meiner Leseliste. So schnell werde ich zwar leider nicht dazu kommen - aber vielleicht nehme ich es mir im Weihachtsurlaub vor. Was Du erzählst, macht mich in jedem Flal neugierig und passt zu den Kommentaren, die ich auch schon von anderen Bloggern gehört habe!

    Liebe Grüße
    Kati@ZeitzuLesen


  2. Tina Says:

    @Katja:

    Danke dir ;) Ein Buch, das man wirklich im Auge behalten sollte! Für mich war es vor allem schön, mal einen ganz anderen Genre-Ausflug zu machen. Ich habe bisher auch gesehen, dass die Meinungen sehr positiv sind. Außer die ein oder andere Schwierigkeit mit medizinischen Details. Falls du es liest, hoffe ich, dass es dir ebenso gefallen wird!

    Dir auch liebe Grüße!


  3. Favola Says:

    Hey Tina

    Das Buch ist mir jetzt so häufig auf Blogs begegnet, dass ich es auf die Bestellliste für die Bibliothek gesetzt habe. Ich kann es dann da ja mal mit nach Hause nehmen ....

    lg Favola


  4. Das ist das erste Mal, dass mir das Buch über den Weg läuft, und wenn ich ehrlich bin, hätte ich "Runa" vermutlich nie eines Blickes gewürdigt, aber das hört sich doch ganz gut an! Zurzeit lese ich eh mit Vorliebe wieder Historical Fiction, da kommt mir deine Rezension ganz gelegen. :D

    Liebe Grüße,
    Bramble


Kommentar veröffentlichen

Feel free to comment