Titel: Der Herr des Turmes
Originalausgabe: Tower Lord
Autor: Anthony Ryan 
Reihe: Raven's Shadow #2
Seiten: 859
Verlag: Klett-Cotta
Format: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
ISBN: 360896018X
Preis: 24,95 €
Erscheinungsdatum: 26. September 2015
Genre: High Fantasy

Eine Legende, die keine mehr sein möchte und doch dazu gezwungen wird, wieder und wieder zu kämpfen...
Ohne Spoiler zum Vorgänger "Das Lied des Blutes".

Inhalt
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Vaelin al Sorna ist des Kämpfens müde. Nicht umsonst hat er sich deshalb von seinem alten Leben losgesagt und möchte eigentlich nur noch in Frieden leben. Der König ernennt ihn zum Herrn des Turmes und schickt ihn in die Nordlande. Doch natürlich kann er dort nicht seinen Lebensabend genießen, sondern wird wieder mit Verrat, Krieg und drohenden Niederlagen konfrontiert. 

Mein Eindruck
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Nach Beenden des Buches muss ich für mich einfach feststellen, dass die Art und Weise, wie der Autor seine Geschichte aufbaut, nichts für mich ist. Was High Fantasy angeht, bin ich gerne bereit mehrere Hunderte von Seiten Zeit und Geduld zu investieren, wenn es sich dafür umso mehr lohnt. Ab einem gewissen Punkt sollte die Weltgestalung abgeschlossen sein und die Handlung dafür in den Vordergrund rücken. Ab einem gewissen Punkt sollte das Buch pausenlos fesseln. Bei "Der Herr des Turmes" leider Fehlanzeige. Denn im Gegenteil, je weiter ich las, umso mehr wurde ich mit Längen und belanglosen Schlachten ohne Fortschritt konfrontiert. Schade.

Man muss sagen, dass der Autor seinen Erzählstil von Buch 1 auf  2 deutlich geändert hat. "Das Lied des Blutes" war eine Geschichte in der Geschichte, die sich ausschließlich um Hauptfigur Vaelin al Sorna drehte. Es ging im Grunde darum, wie er zu einer Legende wurde. In Band 2 gibt es nun mehrere Erzählperspektiven von komplett neuen Figuren, oder solchen, die schon im ersten Teil eine Rolle spielten. Zu Beginn fand ich das gut, denn ehrlich gesagt bin ich auch auf 900 Seiten "Lied des Blutes" nie richtig warm mit Al Sorna geworden. Doch von den Perspektiven, die dazukamen, sind eben leider nicht alle gleich spannend.

Für mich las sich das Buch, wie ein Wechsel aus Licht und Schatten. Ging es gerade um eine Perspektive, die ich mochte, konnte ich das Buch kaum weglegen. War wieder eine andere Figur dran, hätte ich die Kapitel am liebsten überspringen mögen. Die Passagen waren zäh, langatmig und weckten kaum Interesse darauf, wie es mit Figur X weitergehen sollte. Dabei kann der Autor, wenn er in Hochform ist, so gut erzählen! Die Passagen, die ich mochte, waren unheimlich gut gemacht. Wenn nur das ganze Buch so gewesen wäre!

Auch problematisch war, dass es bis zur Hälfte etwa gedauert hat, bis ein roter Faden der Haupthandlung zu erkennen war. Zuvor war mir nicht klar, weshalb wir nun dieser Figur ans Ende der Welt folgen, um dann wieder ganz woanders zu sein. Erst sehr spät werden Zusammenhänge klar, aber ohne großen "Aha-Effekt". Zum Beispiel reist eine Figur sehr weit weg, um dort Frieden zu schließen und gefühlt war sie nur fort, um im Zeitpunkt ihrer Rückkehr einen anderen Handlungsstrang vorantreiben zu können. Wo sie war, was sie gemacht hat, war im Grunde vollkommen belanglos. 

Ich für meinen Teil muss mir einfach eingestehen, dass ich mich mit den ausschweifenden Ausführungen des Autors nicht anfreunden kann. Er hat tolle Momente, kann wahnsinnig gut Actionszenen  schreiben. Aber das Zusammenfügen zu einer großen, interessanten Handlung über mehrere Perspektiven hinweg, ist ihm meiner Meinung nach nicht gelungen.

Fazit
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"Der Herr des Turmes" ist wieder ein unheimlich umfangreiches Buch, das mit einer anderen Erzählweise aufwartet. Hier dreht es sich nicht nur um Vaelin al Sorna, sondern andere Figuren rücken in den Mittepunkt. Alles in allem fand ich die Entscheidung an sich gut, allerdings sind diese Perspektiven nicht gleich gut gelungen. Überhaupt ist das Buch von unheimlich vielen Längen durchzogen. Manche Ereignisse kommen einem im Nachhinein überflüssig vor, weil sie einfach nicht zur Haupthandlung beigetragen haben. Meiner Meinung nach hätte man das Buch ein gutes Stück straffen können. Fans, die vom Schreibstil des Autors nicht genug bekommen, werden mit dem Buch sicher ihre Freude haben. Wer schon Längen in Band 1 gesehen hat, wird mit Band 2 nicht zufriedener werden.

Zu zäh, zu langatmig, zu wenig zielorientiert
2,0 Sterne

Anmerkung:
Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar erhalten. 

5 Responses
  1. 1000 Worte Says:

    Deine Rezension bestätigt mich nur in meiner Entscheidung Band 2 nicht zu lesen. Ich war schon von Band 1 nicht recht überzeugt, wobei mir die erste Hälfte noch ganz gut gefallen hatte. Mit Vaelin bin ich auch nie so recht warm geworden, kann das also wirklich gut nachvollziehen. Ich glaube ich lasse die Reihe lieber auf der "Vielleicht irgendwann einmal" -Liste stehen. :)
    Wirst du Band 3 noch lesen? Oder gibst du auf?


  2. Hey Tina :)
    Es ist wirklich ärgerlich, wenn bei High Fantasy die Ausrede für Längen immer Worldbuilding ist. Ich finde, man kann die Welt auch so vorstellen, dass der Leser sich nicht zu Tode langweilt, wenn man alles ein bisschen mit Handlung verbindet. Aber vielleicht bin ich auch zu snobistisch oder verwöhnt. Immer diese verwöhnten Leser ;)
    Die Rezension ist wirklich toll begründet. Ich glaube, die Reihe ist eher nichts für mich.

    Alles Liebe
    Carly


  3. Oha, das klingt aber nicht so gut. Hab den zweiten Band auch im Regal stehen ... da bin ich ja mal gespannt, ob ich den dicken Wälzer durchhalte ;)


  4. Mila Says:

    Oh gut, dann hab ich ja alles richtig gemacht mit der Entscheidung nicht mehr weiterzulesen. Fuer mich hatte Teil 1 schon eine Art Ende und es hat mir zum Ende hin immer weniger gefallen.. Teil 2 lese ich auf keinen Fall


  5. Tina Says:

    @1000 Worte:

    Also wenn du mit Band 1 schon Schwierigkeiten hattest, bin ich mir recht sicher, dass es nicht besser werden wird :/ Gerade Vaelin bleibt so unnahbar wie zuvor und seine Abschnitte fand ich leider am wenigsten spannend.

    Für mich ist klar, ich lese nicht mehr weiter. Vor allem sind die englischen Meinungen zu Band 3 richtig vernichtend. Gerade die, die beide Bände zuvor wahnsinnig mochten, waren bitter enttäuscht. Ich kann mir nur ausmalen, wie es mir dann ginge^^ Eine neue Reihe würde ich aber vielleicht probieren.

    Also an deiner Stelle würde ich es auch afu "ganz vielleicht" schieben.

    @Carly:

    Das ist es ja. Gerade bei einem zweiten Band sollte dann aber spätestens wirklich Schluss sein und sich das Drumherum nur noch auf wenige Einzelheiten beschränken. Schließlich hatte man schon 900 Seiten zur Einführung. Gefühlt hiengen diese Bücher nicht einmal großartig zusammen, außer dass dieselben Figuren vorkamen.

    @Klingenfänger:

    Na mal sehen, was du sagst! Drück dir die Daumen ;) Gibt ja auch viele positive Meinungen, die von Anfang an sehr begeistert von den Büchern waren.

    @Mila:

    Ich denke, dass ist eine gute Entscheidung. Man kann Buch 1 auch gut so stehen lassen. Das meiste ist ja in sich abgeschlossen. Ich wollte es noch einmal versuchen, doch wirklich gelohnt hatte es sich leider nicht ;/


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