Titel: Das Erwachen des Feuers
Originalausgabe: The Waking Fire
Autor: Anthony Ryan
Reihe: The Draconis Memoria #1

Seiten: 832
Verlag: Klett-Cotta
Format: Gebundene Ausgabe
ISBN: 3608949747
Preis: 25 €
Erscheinungsdatum: 9. September 2017 
Genre: High Fantasy

Eine Welt, in der Drachen geknechtet und ausgeschlachtet werden - bis sie sich erheben...

Inhalt 
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Man stelle sich eine Welt vor, in der Drachen gejagt, gezüchtet und gehalten werden wie Vieh. Aus ihrem Blut wird das sogenannte "Produkt" hergestellt, das wenigen Menschen begrenzt, ganz besondere Fähigkeiten und Stärken verleiht. Doch mit der Zeit werden die Drachen immer seltener und ihr absehbares Aussterben bedroht die Stabilität der gesamten Welt. 

Claydon Torcreek, ein unregistrierter "Blutgesegneter", wird auf eine zum Scheitern verurteilte Mission geschickt: Er soll im unerforschten Inland eine weitere Drachenart aufspüren. Dieses Blut soll noch mächtiger sein, als alle bekannten Sorten und könnte den drohenden Krieg entscheiden. Doch hinter jeder Ecke lauern neue Gefahren und Verrat und schließlich steckt hinter seinem Auftrag mehr, als nur Profitgier...

Mein Eindruck
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Zu Beginn möchte ich gleich klarstellen, "Das Erwachen des Feuers" ist alles andere als leichte Kost. Es kostet viel Aufmerksamkeit und auch eine ordentliche Portion Geduld. Dafür bietet es einem eine innovative Welt, die man so bisher nicht gesehen hat. Ein Mix aus Kapitalismus, Fantasy mit imposanten Drachen, Steampunk, Spionage, Seefahrt und das pure Abenteuer. So viel auf einmal bekommt man selten geboten, allerding muss man sich selbst durchfuchsen. Learning by reading sozusagen, denn mit Erklärungen hält sich das Buch stark zurück.

Deshalb an dieser Stelle ein kleiner "Einstiegsguide" zum Buch. Ich werde hier etwas mehr als üblich zu Weltgestaltung und den Charakteren schreiben. Wer vollkommen unwissend und unbedarft an das Buch herangehen möchte, der überspringt besser diesen Teil und liest darunter wieder weiter:

Spoilerwarnung für die Weltgestaltung: Wer das Gefüge der Welt gerne selbst herausfinden möchte, liest ab hier nicht weiter.

Fangen wir an mit den zwei wichtigsten Ländern dieses Buches, "Mandinorien" und das "Corvantinische Kaiserreich". Vom Aufbau her könnten diese Länder unterschiedlicher nicht sein. Mandinorien ist keine Monarchie, sondern wird von einem "Unternehmen", dem Eisenboot-Handelssyndikat und seinem Vorstand geleitet. Menschen, die für das Unternehmen arbeiten, haben in der Regel einen Vertrag, der sie zu bestimmten Leistungen verpflichtet, ihnen aber im Gegenzug eine Vergütung sichert (zum Beispiel in Geld und/oder in Anteilsscheinen am Unternehmen selbst). Das Unternehmen hat eine Spionageabteilung, "Abteilung außerordentliche Maßnahmen" zu der Lizanne Lethridge gehört, eine der drei Hauptfiguren. Das Corvantinische Kaiserreich dagegen ist eine klassische Monarchie und von Adel geprägt. Sie sind die erbitternden Feinde Mandinoriens, momentan herrscht jedoch Frieden. Die jeweiligen Länder haben noch verschiedene Kolonien, das erschwert manchmal die gedankliche Zuordnung.

Clay Torcreek ist ein Blutgesegneter, das heißt, er gehört zu den 1 % der Bevölkerung, denen der unmittelbare Kontakt mit Drachenblut in der Regel keinen Schaden zufügt. Normale Menschen werden davon verbrannt. Stattdessen ist er in der Lage, das Blut zu trinken, oder für noch unmittelbarere Wirkung, es zu injizieren. Je nach Art des Blutes, das von der Farbe des jeweiligen Drachen abhängt, erlangt er dadurch vorrübergehend besondere Kräfte. Rot kann ihn Dinge verbrennen lassen, Grün heilt und schärft die Sinne, Blau ermöglicht eine gedankliche Kommunikation mit anderen Blutgesegneten und Schwarz verhilft zu ungeahnter körperlicher Stärke. Lizanne ist ebenfalls eine Blutgesegnete. Im Gegensatz zu Clay wurde ihre Fähigkeit entdeckt und im Laufe ihres Lebens gefördert und trainiert. Clay blieb durch einen Zwischenfall bei seiner Überprüfung unentdeckt und ist unter dem Radar, in einem schlimmen Viertel aufgewachsen.

Die letzte Hauptfigur des Buches ist Corrick Hilemore, der zweite Leutnant des Schiffes "Gute Gelegenheit", das unter der Flagge Mandinoriens segelt. Sprich: Alle drei Hauptfiguren gehören zu/oder kommen aus Mandinorien.

Hat man das alles erst einmal verstanden, macht das Buch richtig Spaß. Sehr hilfreich ist auch am Ende das Personenverzeichnis, mit einer übersichtlichen Zuordnung aller Figuren. Man mag es zu Beginn schon ahnen, die Figuren kreuzen irgendwann ihre Wege und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Handlungssträngen werden immer klarer. Anthony Ryan hat hier eine gewaltige Welt erschaffen und allem voran stechen natürlich die Drachen heraus. Sie sind mächtige und erhabene Geschöpfe, die jedoch von den Menschen versklavt wurden. Während Clay ins Inland reist, erfahren wir mehr über ihre Vergangenheit und Fähigkeiten. Mir hat es sehr gefallen, dass die Drachen hier nicht nur schmuckes Beiwerk, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil des Buches sind. Jede Drachenart hat mit ihrer Farbe auch unterschiedliche Merkmale und Verhaltensweisen. Sie sind dadurch unterscheidbar und jeder Kampf ist anders.

Auch die Figuren sind gut ausgearbeitet, gerade Lizanne legt eine tolle Entwicklung hin. Aber auch Clay geht seinen Weg und ebenso Leutnant Hilemore. Letzterer kommt für meinen Geschmack an manchen Stellen etwas zu kurz und hat es etwas schwer dadurch, dass er "ein normaler Mensch" ist. Nichtsdestotrotz ist gerade sein Heldenmut beeindruckend.

Fazit
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Ich möchte an dieser Stelle nicht (noch) mehr verraten. Für mich war es nach langer Zeit wieder ein High-Fantasy Buch, das Spuren hinterlassen hat. Es ist durch seinen Genremix und Umfang etwas Besonderes, wenn auch eine kleine Herausforderung. Für mich hat es sich gelohnt, denn ich wurde mit vielen unterhaltsamen Lesestunden belohnt. Gewünscht hätte ich mir jedoch, dass der Autor selbst mehr (verständlich) erklärt hätte. Sicherlich sagt man immer "show, don't tell", aber in diesem Fall ist das Konstrukt einfach zu kompliziert, um den Leser nur in die Welt hineinzuwerfen. 

Ich freue mich auf die Fortsetzung, bei der die Phase des "Einlesens" hoffentlich komplett wegfällt. Und ich bin gespannt, ob es Anthony Ryan schafft, weiter aufzutrumpfen.


Leserisch zunächst eine kleine Herausforderung, die sich um so mehr lohnt
4,3 Sterne

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